Dieser Beitrag zeigt, warum sich das ändern muss, welche konkreten Risiken PE-Portfolios heute bedrohen und wie ein pragmatischer, skalierbarer Ansatz aussieht, der echte Ergebnisse liefert.
Das Problem: Portfoliounternehmen sind attraktive Ziele
Private-Equity-Portfolios bestehen typischerweise aus mittelständischen Unternehmen. Genau diese Unternehmen sind für Cyberkriminelle besonders interessant: groß genug, um lohnende Lösegeldforderungen zu rechtfertigen, aber oft zu klein, um über ausgereifte Sicherheitsprogramme zu verfügen.
Erschwerend kommt hinzu: Die Bekanntgabe einer Übernahme wirkt auf Angreifer wie ein Signal. Frisches Kapital im Unternehmen bedeutet aus Sicht der Kriminellen höhere Zahlungsbereitschaft bei Ransomware-Angriffen. Die Monate nach einem Deal gehören daher zu den risikoreichsten Phasen im gesamten Investitionszyklus.
Drei Gründe, warum klassische Ansätze scheitern
1. Cybersecurity wird als Checkliste behandelt
Viele PE-Firmen verlassen sich auf jährliche Assessments oder Fragebögen, die den Reifegrad der Portfoliounternehmen abfragen. Das Problem: Diese Momentaufnahmen sagen wenig über die tatsächliche Widerstandsfähigkeit aus. Ein ausgefüllter Fragebogen ist kein Beweis dafür, dass Sicherheitsmaßnahmen im Alltag gelebt werden. ISO-Zertifikate und Richtlinien in der Schublade schützen nicht vor Ransomware.
2. Jedes Unternehmen wird einzeln beraten
Der klassische Consulting-Ansatz – ein Berater pro Portfoliounternehmen, individuelle Strategien, separate Projekte – skaliert nicht. Bei einem Portfolio von 15 bis 30 Unternehmen entstehen enorme Kosten und Koordinationsaufwände, während die Ergebnisse kaum vergleichbar sind. Operations-Teams sind damit überfordert, und die Geschäftsführungen der Portfoliounternehmen empfinden Security-Projekte als zusätzliche Belastung statt als Wertbeitrag.
3. Fehlende Transparenz auf Portfolioebene
Ohne einheitliche Methodik und vergleichbare KPIs fehlt PE-Firmen der Überblick: Welches Unternehmen hat die größten Lücken? Wo besteht akuter Handlungsbedarf? Wie entwickelt sich der Cyber-Reifegrad über die Zeit? Ohne diese Transparenz ist eine fundierte Steuerung unmöglich – und kritische Risiken bleiben im Portfolio unentdeckt.
Was die führenden PE-Firmen anders machen
Die PE-Firmen, die Cybersecurity am weitesten vorangetrieben haben, unterscheiden sich nicht durch höhere Budgets, sondern durch ein anderes Mindset. Sie behandeln Cybersicherheit nicht als IT-Kostenstelle, sondern als Investitionsdisziplin – vergleichbar mit Financial Reporting oder ESG.
Fünf Merkmale fallen dabei auf:
Cybersecurity beginnt vor dem Deal. Die besten Firmen integrieren eine fundierte Cybersecurity Due Diligence in jeden Investitionsprozess. Dabei geht es nicht nur um technische Schwachstellen, sondern um die Frage: Ist Sicherheit strukturell im Unternehmen verankert – oder existiert sie nur auf dem Papier?
Portfolioweite Steuerung statt Einzelprojekte. Statt jedes Unternehmen isoliert zu betrachten, etablieren führende PE-Firmen ein portfolioweites Programm mit einheitlichen Standards, vergleichbaren Metriken und regelmäßigem Reporting.
Messbare Fortschritte in kurzen Zyklen. Lange Beratungsprojekte mit unklarem Ausgang werden durch fokussierte Programme ersetzt, die in wenigen Wochen konkrete, messbare Ergebnisse liefern.
Befähigung statt Abhängigkeit. Die besten Programme stärken die Teams in den Portfoliounternehmen, statt sie von externen Beratern abhängig zu machen. Wissenstransfer und Peer-Learning sind dabei zentrale Elemente.
Cybersecurity als Werttreiber kommunizieren. Fortschrittliche PE-Firmen nutzen Cyber-Reifegrad-Verbesserungen aktiv im ESG-Reporting und bei Exit-Verhandlungen. Ein nachweislich gestärktes Sicherheitsprofil erhöht den Unternehmenswert.
Der Kohorten-Ansatz: Cybersicherheit skalierbar machen
Eine der größten Herausforderungen für PE-Firmen ist die Frage: Wie verbessere ich die Cybersicherheit von 10, 20 oder 30 Portfoliounternehmen gleichzeitig – ohne dass die Kosten explodieren und die Operations-Teams monatelang gebunden sind?
Unsere Antwort sind Kohorten: Eine Gruppe von Portfoliounternehmen arbeitet gemeinsam an einem fokussierten Security-Thema und erzielt in acht Wochen messbare Fortschritte.
So funktioniert es in der Praxis:
Gruppen bilden. Die Portfoliounternehmen werden zu einer Kohorte zusammengefasst und arbeiten gemeinsam an einem Thema – beispielsweise Attack Surface Management, Incident Response Readiness oder NIS2-Compliance.
Gemeinsam umsetzen. Über acht Wochen führen unsere Expert*innen die Teilnehmenden durch einen strukturierten Prozess. Wöchentliche Meetings, praxisnahe Aufgaben und Peer-Austausch sorgen dafür, dass nicht nur Wissen vermittelt, sondern tatsächlich umgesetzt wird.
Ergebnisse messen und berichten. Am Ende steht ein konkreter Report mit KPIs, Benchmarks und einer Roadmap für jeden Teilnehmer. Die PE-Firma erhält volle Transparenz und Vergleichbarkeit über das gesamte Portfolio.
Ein konkretes Beispiel: In einer Attack-Surface-Management-Kohorte mit 19 mittelständischen Portfoliounternehmen eines europäischen Investors haben die Teilnehmer ihre externe Angriffsfläche in nur acht Wochen um durchschnittlich 68 Prozent reduziert. Das ist kein theoretisches Ergebnis aus einem Bericht, sondern eine technisch verifizierte Verbesserung.
Welche Themen PE-Firmen jetzt priorisieren sollten
Nicht jedes Cybersecurity-Thema hat die gleiche Dringlichkeit. Basierend auf unserer Erfahrung aus über 80 Kohorten-Teilnahmen und mehr als 50 Due-Diligence-Projekten empfehlen wir drei Schwerpunkte:
Attack Surface Management
Die externe Angriffsfläche ist der erste Kontaktpunkt für Angreifer – und gleichzeitig der Bereich, in dem die schnellsten Fortschritte möglich sind. Vergessene Subdomains, exponierte Dienste, veraltete Zertifikate: Diese Risiken lassen sich systematisch identifizieren und innerhalb weniger Wochen erheblich reduzieren.
Incident Response Readiness
Die Frage ist nicht ob, sondern wann ein Sicherheitsvorfall eintritt. Entscheidend ist, ob das Unternehmen vorbereitet ist. Ein getesteter Notfallplan, klare Verantwortlichkeiten und eingespielte Kommunikationswege können den Unterschied zwischen einem beherrschbaren Vorfall und einer existenzbedrohenden Krise ausmachen.
NIS2-Compliance
Mit der europäischen NIS2-Richtlinie steigen die regulatorischen Anforderungen an Cybersicherheit deutlich – auch für viele mittelständische Unternehmen, die sich bisher nicht als betroffen sahen. Für PE-Firmen bedeutet das: Portfoliounternehmen, die in der Lieferkette regulierter Unternehmen agieren, müssen NIS2-Anforderungen umsetzen. Nichtkonformität gefährdet nicht nur den Geschäftsbetrieb, sondern auch den Unternehmenswert durch geschädigte Kundenbeziehungen.
Der ROI von Cybersicherheit im PE-Kontext
Cybersecurity im Portfolio ist keine reine Risikominimierung – sie ist Wertschutz und Wertsteigerung zugleich. Die Rechnung ist einfach:
Wertschutz: Ein erfolgreicher Cyberangriff kann ein Portfoliounternehmen um sechs bis zwölf Monate in der Entwicklung zurückwerfen. Die direkten Kosten (Forensik, Wiederherstellung, Rechtsberatung, Bußgelder) liegen regelmäßig im hohen sechsstelligen Bereich. Dazu kommen Reputationsschäden und entgangene Geschäftsmöglichkeiten.
Wertsteigerung: Ein nachweislich gereiftes Sicherheitsprofil wird bei Exit-Verhandlungen zunehmend zum Differenzierungsmerkmal. Käufer, die eine technische Due Diligence durchführen, bewerten ein strukturiertes Security-Programm positiv – während offensichtliche Lücken den Kaufpreis drücken oder Deals verzögern.
Effizienz: Der Kohorten-Ansatz spart gegenüber klassischer 1:1-Beratung rund zwei Drittel der Kosten, weil Skaleneffekte genutzt werden und der Aufwand auf Seiten der Operations-Teams deutlich geringer ist.
Fazit: Cybersecurity gehört auf die Agenda jeder PE-Firma
Die Zeiten, in denen Cybersicherheit als technisches Detail an die IT-Abteilungen der Portfoliounternehmen delegiert werden konnte, sind vorbei. Für PE-Firmen ist Cybersecurity heute ein Steuerungsthema auf Fondsebene – vergleichbar mit Financial Governance oder ESG-Compliance.
Die gute Nachricht: Es braucht keine millionenschweren Programme, um substanzielle Fortschritte zu erzielen. Mit dem richtigen Ansatz – fokussiert, skalierbar, messbar – lassen sich in wenigen Wochen Ergebnisse erzielen, die das gesamte Portfolio widerstandsfähiger machen.
int[cube] ist spezialisiert auf Cybersecurity für Private-Equity-Firmen. Wir unterstützen Investoren mit Cybersecurity Due Diligence, portfolioweiten Kohorten-Programmen und messbaren Ergebnissen. Sprechen Sie mit uns darüber, wie Sie die Cyber-Resilienz Ihres Portfolios stärken können.
